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Letzte Aktualisierung : 06.11.2006


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Die wichtigsten Bauarten von Turmdrehkranen

Copyright © by P. Meyer (Text, Dokumente, Fotos) und A. Bruderer (Realisierung und Fotos)



Der Nadelausleger mit Portal
Diese Bauart war Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts bis in die fünfziger Jahre die gebräuchlichste Art Turmdrehkrane zu bauen. Der bekannteste Vertreter dieser Gruppe ist wohl der Wolff Kran. Diese Krane hatten ein Portal, einen fest stehenden Turm und einen oben drehenden Ausleger und Gegenausleger. Auch waren damals schon Katzausleger im Angebot. Montiert wurden diese Geräte mit einer Montagenadel. Diese Krane verfügten noch nicht über Kugeldrehkränze, sondern über Drehstuhlverbindungen. Der Ballast wurde von Hand aufgeschichtet, entweder Stein auf Stein oder mit Eisenmasseln.
Die Auslegerverstellung erfolgte über eine automatische Schliesse, mit welcher unter zu Hilfenahme der Hubwinde der Ausleger verstellt werden konnte. Später wurden dann auch Verstellwinden eingebaut.


Wolffkran Form 45. Foto Wolffkran


Unten drehende Nadelauslegerkrane
Pionier dieses Krantyps war Hans Liebherr, welcher 1949 den ersten unten drehenden, schnell montierbaren Turmdrehkran präsentierte. Dieses Modell hatte kein Portal mehr und der unten drehende Turm wurde für den Transport umgeklappt und es konnten Transportachsen angebaut werden. Es kamen immer noch Drehstuhlverbindungen zum Einsatz und der Ausleger wurde mittels Hubwinde verstellt. Diese Modelle lösten schnell die bisherige Bauart mit Portal und fest stehendem Turm ab.


Liebherr Form 6 1954 in Aachen. Foto D.Thiels.

Die ersten unten drehenden Nadelausleger waren mit Biegebalkenausleger ausgerüstet

Nach und nach kamen weitere Hersteller dazu, die diese Bauart des Turmdrehkranbaus übernahmen und weiter entwickelten. Die Geräte wurden mit Auslegerverstellwerken und Kugeldrehkränzen ausgerüstet.


Liebherr 25A30. Schnittbild Liebherr

Moderner unten drehender Nadelausleger (Liebherr Form 25A/30) mit Spreizholmunterwagen, Kugeldrehkranz und Kiesballastkästen. Diese Anordnung des Gegengewichts bedeutete eine erhebliche Verbesserung der bis dahin gebräuchlichen Methode Stein auf Stein von Hand aufzuschichten!
Sehr gut sind auf diesem Schnittbild auch die verschieden Antriebe zu sehen. Die Steuerung erfolgte noch nicht über Schützen, sondern direkt über Nockenkontroller. Die Kabeltrommel wurde vom Fahrwerkmotor mit angetrieben. Die Bremsen wurden bereits elektromechanisch gelüftet und die Getriebe liefen im Ölbad.
Ausserdem ist auf dem linken Bild auch der Fahrnotendschalter zu sehen, welcher die Fahrbewegung des Unterwagens begrenzt hat.
Die Krane dieser Generation verfügten ausserdem über einen teleskopierbaren Turm, welcher es erlaubte die Transportlänge erheblich zu reduzieren.


Oben drehende Nadelauslegerkrane
Dieser Krantyp wurde ebenfalls von Hans Liebherr entwickelt und in den fünfziger Jahren auf den Markt gebracht. Zuerst als H Krane und später als Typ HB. Der Vorteil dieses Systems ist vor allem, dass der Kran kletternd in Hochhäusern eingesetzt werden kann und sich die Antriebe für Hub -, Schwenk – und Verstellwerk auf der Drehbühne befinden.
Beim Klettern im Gebäude wird der Kran zuerst auf dem Fundament mittels Fundamentanker verankert (meistens im Liftschacht). Sobald das Gebäude so weit fortgeschritten ist, dass 3 Decken zur Verfügung stehen, kann mittels Kletterleitern und Kletterhydraulik (früher mittels Seileinscherung) der Kran vom Fundament gelöst werden und wächst mit dem Gebäude in die Höhe.


Liebherr HB-50 in Bern (CH). Bauunternehmer Herzog Söhne. Foto A. Bruderer

Heute wird dieser Krantyp erfolgreich von praktisch allen Herstellern angeboten und wird vor allem für Hochhausbauten verwendet oder dort wo benachbarte Grundstücke nicht überschwenkt werden dürfen (z.B. England) oder wo Hindernissen ausgewichen werden muss.


Oben drehende Katzauslegerkrane
Vor allem die französischen - und italienischen - Hersteller merkten bald, dass der oben drehende Katzauslegerkran grosse Vorteile hat. So kann die Last immer horizontal bewegt werden und auch Positionen nahe am Turm können problemlos erreicht werden. Auch ist für den Lastentransport in der Horizontalen eine kleinere Motorleistung erforderlich und trotzdem kann die Last schneller bewegt werden.
Einige französische und italienische Hersteller bauten noch lange oben drehende Laufkatzenkrane mit dem Hubantrieb unten. Dieses System hatte den Nachteil, dass das Hubseil bei der Drehbewegung des Krans auf- und zugedreht wurde.
Ausserdem verwendeten französische Hersteller noch lange die Drehstuhlverbindung und verzichteten auf den Kugeldrehkranz.
Die Schienenfahrwerke verloren zunehmend an Bedeutung, da diese Katzkrane auch problemlos stationär eingesetzt werden können, da kein toter Winkel in Turmnähe entsteht. Es kommen an deren Stelle stationäre Unterwagen und Kreuzrahmen zum Einsatz.


Pingon Obendreher-Krane aus einem Prospekt. Foto Pingon.


Die Sicherheitseinrichtungen an den oben drehenden Laufkatzenkranen bestehen im Wesentlichen aus:

Klettern von oben drehenden Katzauslegerkranen, System Aussenteleskopwagen - auch Teleskopieren oder Aufstocken genannt.
Durch das Teleskopieren wird der Kran auf seine Arbeitshöhe gebracht oder folgt dem Baufortschritt. Mit einer Hydraulik oder anderer Hebeeinrichtung, wie früher bei Wolff mit Rollenketten, wird das ganze Oberteil des Krans angehoben.
In die entstehende Lücke können nun ganze Turmelemente mit dem eigenen Haken eingebracht werden.


Klettern im Aussenturm und Verschiebesystem (z.B. Systeme PINGON und PEINGEON Somalev)
Beim Pingon - System werden die Turmelemente in zwei Teilen um den Kletterturm herum montiert und der Kran anschliessend hydraulisch geklettert. Der Vorteil ist die grosse Sicherheit dieses Systems. Der Nachteil ist der grössere Zeitbedarf.
Beim Peingeon-Somalev - und beim Weitz - Kran wird das ganze Oberteil auf eine provisorische Kletterbühne verschoben und so entsteht eine Öffnung um komplette Turmstücke von oben her einzubringen. Vorteil, es geht schneller, Nachteil, die grosse Unfallgefahr.


Montage von oben drehenden Kranen mittels Autokran
Bei diesen Montagen werden die Krane Stück für Stück mit einem Pneukran montiert. Der Ausleger wird dabei komplett am Boden vormontiert und mit dem Montagegerät angebracht. Diese Arbeit muss in grosser Höhe erfolgen und ist unter Umständen dem Windeinfluss ausgesetzt. Der Vorteil gegenüber der Montage auf Grundhakenhöhe mit anschliessendem Klettern ist vor allem die wesentlich kürzere Montagezeit. Es ist dafür ein grösserer Montagekran notwendig.


Oben drehende Laufkatzenkrane mit verstellbarem Knickausleger
Bei diesem System wird der hintere Teil des Katzauslegers aufgeknickt, wobei das vordere Stück immer horizontal bleibt und die Katze auch verfahren werden kann. Es kann so schnell zusätzliche Höhe gewonnen werden. Entwickelt wurde diese Einrichtung Ende der fünfziger Jahre von der Firma Kaiser. Später auch von Liebherr und Peiner nachgebaut.
Diese Technik ist sehr aufwendig, da neben der Hub - und Laufkatzenwinde auch noch eine Auslegerverstellwinde notwendig ist. Ausserdem wird das System relativ instabil, wenn der Ausleger angehoben wird.
Es werden heute keine solchen Krane mehr produziert.


Kaiser HBK 90-1 (vorne) in Ittigen (CH). Foto A. Bruderer


Unten drehende Laufkatzenkrane, auch Schnellmontagekrane genannt
Diese Krane wurden in den fünfziger Jahren durch die französischen Hersteller entwickelt, hauptsächlich Potain, Cadillon, Weitz und später auch Pingon (anfänglich Produktion durch Edilmac).
Der grösste Vorteil gegenüber den unten drehenden Nadelauslegerkranen war, dass auf ein Schienenfahrwerk verzichtet werden konnte und der Kran auf verstellbaren Spindeln stand.
Heute bauen praktisch alle Hersteller Krane nach diesem Prinzip.


Cadillon 3 D in Frutigen (CH). Foto P. Meyer